 |
| Theater mit Kindern leben“ – so Gerd J. Poh - beginnt schon an der Kasse. |
 |
Der pädagogische Hintergrund macht den Puppenpavillon zu einer Besonderheit
Leon ist nervös. Rutscht ein wenig auf der Bank hin und her. Seine unmittelbaren Nachbarinnen Lisa und Paula blicken derweil gelassen auf den blauen – in warmes Licht gehüllten – Samtvorhang. Die Kinder warten auf den Auftritt von Kasper, der als Holzfäller im Wald arbeitet. „Kasper und die drei Wünsche“ ist der Titel eines der Stücke, die im Theater im Puppenpavillon in Bensberg für Kinder im Alter von 3 bis 9 Jahren auf dem Spielplan stehen.
Puppenspieler Gerd J. Pohl haucht den Handpuppen Leben ein. Tritt mit seinen kleinen Zuschauern in einen Dialog. Durch die Aktion der Kinder ist das aufgeführte Stück (auch bei der 20. Aufführung) in Nuancen immer anders. Ein starres Programm gibt es nicht.
Groß die Konzentration, wenn es spannend wird. Wenn Kasper von einem kleinen Feenwesen drei Wünsche eingeräumt bekommt. Strahlende Blicke und großes Juhu, bei spaßigen Szenen.
Die Kinder bauen im Verlauf der Aufführung eventuelle Ängste ab. Tauchen ein in eine Geschichte und haben hier oft ein erstes, „umfassendes“ Theatererlebnis. Im Alter von 3 Jahren knüpfen die Mädchen und Jungen ihre ersten Kontakte mit der Theaterlandschaft. Werden sanft einbezogen in jede Phase der Theaterwelt.
„Theater mit Kindern leben“ – so Gerd J. Pohl, Erzieher und Leiter des Puppenpavillons, beginnt schon an der Kasse. Der pädagogische Hintergrund macht den Puppenpavillon zu einer Besonderheit in der Theaterlandschaft. Hier wird das Interesse am Theaterspiel von Kindern und Erwachsenen geweckt.
Es ist nicht übertrieben, wenn man sagt, dass der Puppenpavillon ein "Aushängeschild" ist, das Gäste von zum Teil weit außerhalb nach Bergisch Gladbach lockt. Das Einzugsgebiet umfasst das Bergische Land bis hin nach Remscheid und Gummersbach, die Leute kommen häufig auch eigens aus Köln zu den Aufführungen, und selbst aus Bonn und Aachen (!) kommen Stammzuschauer.
Leider ist eine Einbindung des Theaters in einen touristischen Kontext kaum möglich, weil es einfach zu weit außerhalb liegt - im Gegensatz einfach zum Hänneschentheater in Köln, zum Hobbit-Puppentheater in Würzburg oder zum "Lustigmacher" in Rothenburg o.d. Tauber, deren Arbeit sich in ein touristisches Gesamtkonzept der jeweiligen Städte einbinden lässt, weil sie sehr zentral liegen und beispielsweise von attraktiver Gastronomie umgeben sind. Beim Puppenpavillon mit seinem versteckten Standort auf dem Schulhof ist ja eher das Gegenteil der Fall.
Streng sind die Maßstäbe in Sachen Altersbeschränkung für den ersten Besuch im Puppentheater. Die Regeln basieren auf jahrelanger Erfahrung, so Gerd J. Pohl. Diese Grundsätze sind nötig im Interesse der Kinder. Zweijährige sind selbst mit einem Kasperlespiel überfordert. Sie können erschrecken, wird es hell oder dunkel im Saal oder bei lauten Stimmen. Ein Merkblatt – an der Kasse hinterlegt – klärt die Erwachsenen auf in Sachen Altersbeschränkung, nennt die Hintergründe.
Kindergartenkinder und Schulklassen von der ersten bis dritten Klasse sind besuchen den Puppenpavillon regelmäßig. Gerd J. Pohl bedauert, dass er die Altersklasse ab der Pubertät bis ins Erwachsenenalter weniger gut erreicht. In der Altersklasse der 10 bis 13jährigen sieht Pohl eine pädagogische Aufgabe: Das Puppenspiel zielorientiert einsetzen und bei Schülern etwas auslösen! Da Gelder für die Jugendarbeit leider eingefroren sind, ist eine Perspektive für solch eine Arbeit nicht gegeben.
Kleine Lichtblicke bilden Workshops für Lehrkräfte. Im Puppenpavillon erfahren Pädagogen dass es möglich ist, durch den Einsatz kleiner Handpuppen mehr an Feinheit zu übermitteln als in langen Gesprächen. Wie soziales Miteinander aussieht, lässt sich so spielerisch, kindgerecht, ruhig und liebevoll erklären.
Pohl sieht für das Theaterspiel auch in den Offenen Ganztagsschulen eine gute Adresse. In kleinen Gruppen möchte er mit Jungen und Mädchen im Puppenpavillon arbeiten. Die älteren Kinder aber in der jeweiligen Schule aufsuchen.
Ein wichtiger Gedanke: Die Öffentlichkeit und die Verantwortlichen in Gesellschaft und Politik sensibilisieren für die KUNST des Puppenspiels und für seine Möglichkeiten im Rahmen der kulturellen Jugendarbeit, was allerdings auch einen beständigen Kampf bedeutet gegen das immer noch existierende Image des Puppenspiels als harmlose Kinderbelustigung.
Ziele: Durch die Reisetätigkeit das Theaterspiel auch zu denen bringen, die von sich aus so ohne weiteres kein Theater besuchen können, beispielsweise zu Kindern in sozialen Brennpunkten oder in Kinderkrankenhäusern, zu Behinderten und alten Menschen in Pflegeheimen.
Was lieben sie, die betagten Senioren: Sie lieben Die Geschichten der Gebrüder Grimm! An die Erzählungen erinnern sie sich bestens. Frauen sind sofort begeistert bei der Sache. Wogegen die Herren der Schöpfung dem Puppenspiel mit Märcheninhalt eher kritisch gegenüberstehen. Das ändert sich nach der Aufführung weiß Pohl zu berichten. Erinnert sich an Momente, wo plötzlich wieder ein Leuchten in den Augen der ans Bett gebundenen Patienten aufkeimt.
Hier würde Pohl gerne ansetzen – weitermachen. Hofft auf Sponsoren, die es ihm ermöglichen diese Aufgabe ein bis dreimal monatlich in Angriff zu nehmen.
Wie aber kam Gerd J. Pohl zum Puppentheater?
Infiziert durchs Puppentheater. Denn mit 4 oder 5 Jahren saß er selbst zum ersten Mal vor einem Puppentheater im Rahmen eines Kindergarten-Sommerfestes in seiner Heimatstadt Bonn-Bad Godesberg. Unmittelbar stand der Berufswunsch "Puppenspieler" fest. Mit 12 Jahren spielte er das erste Mal öffentlich im Rahmen eines UNICEF-Kinderfestes in den Bonner Rheinauen erstmals in einem Programm gemeinsam mit Willy Millowitsch, der Jahre später ein guter Freund werden sollte.
Mit 16 Jahren gründete er die Piccolo Puppenspiele, die dann langsam zur Berufspuppenbühne heranwuchsen. Seit 1996 gastiert Pohl regelmäßig im Puppenpavillon und war seit 1997 Ensemblemitglied beim "Kleinen Prinzen", wo er die Rollen des erkrankten Rudolf Fischer übernahm. Zwischenzeitlich Berufsausbildung zum Erzieher und Theologiestudium, seit 2009 - Intendant des Puppenpavillon.
Die Arbeit mit den Puppen ist anstrengend – auch körperlich – erzählt Gerd J. Pohl weitere. Das Erlernen der Texte fällt ihm nicht sonderlich schwer. Die Entstehungsgeschichte eigener Stücke baut sich auf. Durch Beobachtungen der Menschen, Literatur, Märchen, Sagen, Landschaften und mystischen Geschichten.
Und, dass Theaterfiguren auch nicht 100% sicher sein können auf der Bühne, ist eine weitere Geschichte. So geschehen in „Faust“ (Bühnenstück für Erwachsene). Gab es in der Urfassung 22 Figuren - sind es jetzt nur noch 14. Was vom Wesentlichen ablenkt, wird verworfen.
„Theater, das bedeutet Reduktion auf das Wesentliche und Wahrhaftige“. -
„Der Platz für die Phantasie muss frei bleiben – das gelingt nur,
wenn das Stück offen ist“!
Neue Pläne fürs Erwachsenenprogramm gibt es schon: "DRACULA" als Mischung aus Puppenspiel, Schauspiel und Lesung, sehr grotesk. Und – Gerd J. Pohl denkt an ein kabarettistisches Nummernprogramm – geschrieben für die Puppen. Mit einer besonderen Aufführung von „Faust“ begeisterte der Puppenspieler bereits 2009. Gut besucht sind auch stets die Abende mit den gruseligen Geschichten von Edgar Allen Poe.
Mehr als 20 Jahre gibt es den Puppenpavillon in Bensberg – gelegen am Rande des Schulhofes der Johannes Gutenberg Realschule. "Wachablösung" im Puppenpavillon war am 1. Januar 2009. Da ging Heide Hamann, Gründerin des Puppentheaters an der Kaule, mit 69 Jahren in den Ruhestand und übergab die Theaterleitung an ihren damals 38jährigen Kollegen und langjährigen Freund Gerd J. Pohl.
Heide Hamann, die der Rat der Stadt Bergisch Gladbach mit der Ehrennadel in Gold auszeichnete, ist dem Puppenpavillon treu geblieben. Sie gastiert mehrmals im Jahr in dem Theater, dass sie zum Leben erweckt hat.
Auch Gundula Mehlfeld erfreut mit ihrer „Gastbühne“ weiter die Pänz im Pavillon.
Auf Besucher freuen sich auch:
Roderick Rattenschwanz,
der Schlupf-Mupf,
das sehr beliebte Mäusepärchen Eugen und Wilma,
der Schmolltroll,
das Hupp-Wupp,
die Töris,
der kleine Zwilch Plum,
um mal ein paar Namen zu nennen, die typisch sind für den Puppenpavillon und nicht für jedes x-beliebige Kasperletheater. Aber ansonsten gibt's natürlich auch im PP alle möglichen Großmütter, Hexen, Könige, Feen, Drachen, Gespenster, Teufelchen, Räuber, Prinzessinen und Zauberer ...
Einzelheiten zum laufenden Programm:
Theater im Puppenpavillon
51429 Bensberg, Kaule (Gelände Johannes-Gutenberg-Realschule, Kaule 3)
Infos/Kartenreservierung: 02204/54 636
www.puppenpavillon.de
Fotos/Text: Copyright Helga Niekammer |
|
 |
 |
|
 |